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poetry
slam – literatur im wettkampf
dass
an einem »poetry slam« texte vorgetragen werden, ist
wohl das einzig mit einer konventionellen lesung vergleichbare.
es begann 1986 in chicago, marc smith, ein ehemaliger bauarbeiter,
hatte genug von den langweiligen dichterlesungen und beschloss,
dem publikum wieder mehr einfluss auf das geschehen zu verschaffen.
bei einem poetry slam ist das publikum jury und auch ein bisschen
sein eigener star; es kann klatschen, schreien, buhen und natürlich
noten geben. eine null für ein gedicht, das nie hätte
geschrieben werden sollen, eine zehn für ein gedicht, das bei
allen einen simultanen orgasmus auslöst.
die aufgabe des slammers ist es, sich so gut wie möglich zu
verkaufen. die einen nennen es »performancelyrik« die
anderen »selbst-inszenierung«. selbstgeschriebene texte
werden gerappt, geschrien, gegrölt, geflüstert oder auch
gemurmelt, im kampf um den ersten preis, eine flasche whiskey und
die ehre.
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